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Opus Caementitium – Neue Bautechnik der Römer

Bericht über die Sonderausstellung in der alten St. Martinskirche in Zeutern vom 20.03. - 29.05.2005.

us Anlass des Römerjahres 2005 hat sich der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld etwas Besonderes einfallen lassen: bereits 2003 haben wir die Wanderausstellung "Opus Caementitium" bei der SüdZement Marketing GmbH Ostfildern akquiriert und erhielten in 2004 die Zusage für März bis Mai 2005. Dank der Unterstützung der Gemeinde Ubstadt-Weiher fanden wir einen würdigen Rahmen in der alten St. Martinskirche in Zeutern. Dank der Betreuung durch aktive Mitglieder des Freundeskreises und vor allem Lothar Weis aus Kirrlach mit Führungen und praktischen Demonstrationen zur Messtechnik der Römer wurde die Ausstellung trotz der lokalen Distanz zum Römermuseum ein Erfolg. Rund 700 Besucher wurden gezählt, von denen viele auch noch dem Stettfelder Museum ihre Aufwartung machten. Schade war nur, dass bei den Schulen der Region so gut wie kein Interesse aufkam - das lag wohl auch an den Osterferien. Die Ausstellung hat jedenfalls mit manch einer Schulbuchweisheit über das römische Bauwesen gründlich aufgeräumt.

Die hochinteressante Ausstellung wurde vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, dem Württembergischen Landesmuseum Stuttgart, dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und der SüdZement Marketing GmbH nach dem Buch von Prof. Heinz-Otto Lamprecht "Opus Caementitium - Bautechnik der Römer" konzipiert und unter der Federführung von Herrn Joachim Weiss ausgerichtet.

Namensgebend ist der römische Beton, genannt opus caementitium von opus (das Werk) und caementum (Bruchstein, Mauerstein oder auch Zuschlagsstoff), der Ersatzwerkstoff für Naturstein oder den gebrannten Ziegel. Die Zusammensetzung aus gebranntem Kalk und Ton (1000 °C) wahlweise mit Puzzolanen oder zerstoßenen Resten von gebrannten Ziegeln und Sand gemischt ergibt den (hydraulischen) Mörtel, der mit Füllstoffen (Naturstein, Kies, Bauschutt) unter Wasserzusatz zu dem römischen Beton aushärtet. Puzzolan war der Begriff für vulkanisches Tuffgestein, das bei Pozzuoli (Neapel) gefunden wurde. Vergleichbar in der Wirkung ist unser Trass. Der Kalkstein wurde in runden Schachtöfen von etwa 3 m Durchmesser gebrannt. Vor der Weiterverarbeitung musste der Kalk mit Wasser sorgfältig "gelöscht" werden.

Der Vergleich mit modernem Beton aus Zement und Kies oder Splitt zeigt, dass die Druckfestigkeit des römischen Betons bis ca. 40 N/mm2 durchaus mit den Werten heutigen Normalbetons vergleichbar ist. Allerdings waren die Aushärtezeiten in der Antike unkontrolliert um ein Vielfaches länger als das heute der Fall ist.

Die Technik der Herstellung von Straßen, Fußböden und Estrich, Mauern und Gewölben mit dem künstlichen Stein war Gegenstand der Ausstellung und wurde mit Konstruktionsskizzen, Modellen und Fotos belegt. Die repräsentativen Bauwerke der Römerzeit von Wasser- und Abwassersystemen der Städte, ihren Straßen, Tempel- und Theaterbauten, Thermen und Wohn-/Geschäftshäusern über die eindrucksvollen Wasserleitungen mit Talsperren, Zisternen, Aquädukten und Tunnels bis hin zu den Verkehrswegen mit Fernstraßen, Brücken und Tunnels oder Hafenanlagen an Flüssen und Meer wurden mit eindrucksvollen Fotos und Modellen dokumentiert.