RÜckblick    Berichte 2013    12.03.2013  

Neckarlimes, Neckartal und Zabergäu – Neue Forschungen am Limes und seinem Hinterland

err Dr. Stephan Bender vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, der Limeskoordinator Baden-Württemberg aus Aalen, berichtete am 12.03.2013 im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge über interessante Ergebnisse der neuesten Forschungen zu diesem Thema. Immer noch ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Odenwaldlimes einst am Neckar bei Bad Friedrichshall endete und dann der Fluss für mehr als 100 Kilometer die Grenze des Römischen Reiches, den sogenannten Neckarlimes, bildete. Das stimmt nach heutigen Erkenntnissen so nicht. Zwischen 1962 und 1990 zeigten Entdeckungen in Bad Friedrichshall-Kochendorf, dass der Limes im östlichen Vorfeld des Neckars als künstliche, gut zu überwachende Landgrenze nach Süden führte. Zwei Wachtturmstellen, abschnittsweise Limespalisade und ein Kleinkastell ließen daran keinen Zweifel. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat 2009 mit der planmäßigen Erforschung dieses nahezu unbekannten Limesabschnitts begonnen. Dazu werden geophysikalische Prospektionen und Luftbildbefliegungen durchgeführt. Diese Fragen stehen im Raum: Wie verlief die Grenzlinie genau und wie war sie ausgebaut? Wo erreichte sie den Neckar? Endete sie überhaupt am Neckar?

Dazu führte der Referent aus: Der Odenwaldlimes endete an der Jagst bei Bad Friedrichshall-Duttenberg. Den Endpunkt bildete unmittelbar nördlich des Flusses ein Kleinkastell, das durch den bekannten Luftbildarchäologen Otto Braasch 2011 entdeckt worden ist. Genauere Untersuchungen erbrachten ein 30 m x 30 m großes Kastell, dessen Umwehrung aus einem Graben und einem Erdwall oder einer Rasensodenmauer bestand. Über dem Zugang auf der Ostseite befand sich ein hölzerner Torturm. An der Jagst knickte der Limes, den wir ab dort als Neckarlimes bezeichnen, nach Südosten ab. Nun verlief er 4,5 km schnurgerade bis zum Attichsbach bei Bad Friedrichshall-Plattenwald. Im Rahmen der neuen Untersuchungen gelang es an diesem Abschnitt eine Turmstelle auf der ersten Höhe südlich der Jagst und an drei Stellen auf größerer Strecke den Palisadengraben nachzuweisen. Am Attichsbach machte der Limes wieder einen Knick und zog direkt nach Süden weiter. Hier konnten 1990/91 im Zuge der Großgrabung des Landesdenkmalamtes im Vorfeld des Baus der Siedlung Plattenwald der Palisadengraben auf einer Länge von 325 m nachgewiesen und das Steinturmfundament aufgedeckt werden, das hier bereits 1964 entdeckt worden war. In der Nachbarschaft dieses Turms fand man die Spuren eines hölzernen Vorgängers, so wie er bei den neueren Prospektionen regelhaft neben den Steinturmfundamenten als Kreisgraben zum Vorschein gekommen ist. Im Bereich der Siedlung Plattenwald enden die bekannten Spuren des Limes. Er führte auf jeden Fall weiter auf die Gemarkung von Neckarsulm. Sehr wahrscheinlich setzte sich der Limes noch über eine größere Strecke im Vorfeld des Neckars fort. Dafür gibt es am Wartberg bei Heilbronn und auf der Ottmarsheimer Höhe bei Mundelsheim Anhaltspunkte.

Das stärkste Argument für die Fortsetzung des Limes weiter nach Süden liefern die Fälldaten von Bäumen, die zur Fertigung von Brunnenverschalungen für die römische Siedlung auf der Ottmarsheimer Höhe, bereits 23 km südlich der Turmstelle in Bad Friedrichshall-Plattenwald, geschlagen wurden. Die gewonnenen Proben umfassen Daten aus der Zeit der Herrschaft der Kaiser Hadrian (117–138) und Antoninus Pius (138–161). Ein größerer Anteil südgallischer Terra Sigillata spricht ebenfalls für den Siedlungsbeginn in der ersten Hälfte des 2. Jhdts. Deshalb ist davon auszugehen, dass auf dieser exponierten Höhe ursprünglich ein Kleinkastell mit einem kleinen Lagerdorf entstand, zu dem auch die Brunnen und Streifenhäuser gehörten, von denen eine Reihe ehemals holzverschalter Keller dokumentiert werden konnte. Den Neckar auf diesem Streckenabschnitt zu kontrollieren, muss für die Römer aufgrund der ausgeprägten Mäandrierung des Flusses und seiner zahlreichen Steilufer ausgesprochen schwierig gewesen sein. Von daher könnte es nahe gelegen haben, zur besseren Kontrolle dieses Flussabschnittes eine Überwachungslinie nicht allzu weit östlich des Flusstales einzurichten. Am Neckar mit dem mutmaßlichen Limesverlauf im östlichen Vorfeld öffneten sich westlich des Flusses der Kraichgau und das westliche Neckarbecken mit dem Zabergäu, das im Schatten von Strom- und Heuchelberg eine eigene, reiche Siedlungskammer bildete. In diesem Raum entwickelte sich aufgrund fruchtbarer Böden und günstiger klimatischer Bedingungen bereits in der ersten Hälfte des 2. Jhs. eine intensive Siedlungstätigkeit. Vielleicht ist vor diesem Hintergrund zu verstehen, warum es der römischen Verwaltung ratsam erschien, den Odenwaldlimes weiter nach Süden fortzusetzen, um diesen Abschnitt mit seinen Verkehrsverbindungen zum Rhein, auch nach Stettfeld, besser schützen zu können.

Der große Beifall der nahezu 50 Zuhörer und die anschließende angeregte Diskussion zeigten, dass der Referent ein hoch interessantes archäologisches Thema mit Bezug zur antiken Geschichte unseres Siedlungsraums gekonnt präsentierte.