+++ Verlängerung - Die PLAYMOBIL-Sonderausstellung - Ein Lächeln zu Gast - kann im Römermuseum Stettfeld noch bis 30. April 2019 besucht und entdeckt werden +++

  RÜckblick    Berichte 2019    12.03.2019  

Cassiodor

m Dienstag, 12.03.2019, hielt Frau Dr. Petra Mayer-Reppert vor knapp 25 Zuhörern einen Vortrag über den spätantiken römischen Staatsmann, Gelehrten und Schriftsteller Flavius Magnus Aurelius Cassiodorus (*485 in Scylaceum, Bruttium). Aus einer ursprünglich syrischen Familie stammend, die es um 200 n. Chr. im Gefolge der damals herrschenden Severer-Dynastie nach Italien verschlug, hatten schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater wichtige Ämter in der Militär- und der Zivilverwaltung inne.

So war es dann auch nicht erstaunlich, dass Cassiodor, der in der Jugend vermutlich eine Philosophenschule in Süditalien besuchte, seine Ämterlaufbahn als Consiliarius des eigenen Vaters begann – und dies bereits mit 15 Jahren! 514 schließlich wurde er durch Theoderich selbst zum Consul ordinarius ernannt; von 533-38 war er Praefectus praetorio und hatte somit das oberste Amt der Zivilverwaltung in den Bereichen Finanzen und Justiz inne. Mit Boethius und Symmachus, hohen und geistesgeschichtlich bedeutenden Beamten des Theoderich, war er gut vernetzt.

Kennzeichnend für Cassiodor war, dass er es verstand, politischen Klippen geschickt auszuweichen und sich gegebenenfalls als „Graue Eminenz“ im Hintergrund zu halten. Obwohl Römer, machte er sich in seinen Büchern über die Geschichte der Goten für eine Freundschaft der beiden Völker stark. 535/36 n. Chr. versuchte er mit Papst Agapitus I eine Akademie und Bibliothek für lateinische und griechische Kirchenautoren zu gründen - was allerdings nicht gelang. Wenige Jahre später, stellte er mit den „Variae“ eine wichtige Briefe- und Gesetzessammlung aus der Zeit Theoderichs zusammen. Um 540 zog er sich fast völlig aus dem politischen Leben zurück und gründete auf seinem Familienbesitz das Kloster „Vivarium“. In diesem befasste er sich auch mit den sieben freien Künsten und brachte antikes heidnisches Wissen mit den Werken christlicher Schriftsteller und Philosophen zusammen. Vor allem aber etablierte er die Tradition von Klosterbibliotheken und Skriptorien als Orte des Wissens und der Weitergabe von Bildung. Mit seinen Schülern vermittelte er die griechische Literatur in den lateinischsprachigen Westen – die dortige Oberschicht hatte diese Sprache in den politischen Wirren der Völkerwanderung nahezu völlig verlernt. Hoch angesehen starb Cassiodorus um 580 n.Chr. in seinem Kloster und hinterließ mit seinem Tode eine große Lücke; stellte er doch die Weichen der Wissensübermittlung in vielen unterschiedlichen Bereichen von der Welt der Spätantike hinein ins christliche Mittelalter.

Der Referentin gelang es, dem Publikum diese beachtliche Lebensleistung des heute in Deutschland nahezu unbekannten Gelehrten nahe zu bringen und erhielt dafür den verdienten Applaus.