RÜckblick    Berichte 2017    12.12.2017  

„Über den Rand geschaut“ – Natur- und kulturgeschichtliche Eindrücke am Übergang zwischen Kraichgau und Schwarzwald

m 12. Dezember 2017 hielt unser Mitglied Jürgen Alberti vor fast 50 Zuhörern einen Vortrag über die faszinierende Landschaft rund um Pforzheim. Startpunkt der Reise war Bauschlott, das einzige Angerdorf im Kraichgau. Aber nicht nur der 30-35m breite Grünstreifen des Angers macht das Örtchen sehenswert – es sammeln sich auch zahlreiche architektonische Highlights wie Fachwerkhäuser mit Biberschwanzziegeln, ein an allen Seiten umschlossener Vierkanthof, alte und einheitliche Modellhäuser, deren Bau vom Landesherren steuerlich gefördert wurde, ein Firstständerhaus von 1442 und eine Weinbrennerkirche. Besonders schön ist der Ort mit seinem Schloß im Frühjahr, wenn der Blumenschmuck in voller Blüte steht.

Bekanntermaßen ist der Kraichgau auch durch seinen Untergrund aus Jura, Keuper- und Muschelkalkgestein definiert. In letzterem bildeten sich durch Auflösung und Auswaschung des Gesteins durch Wasser zwei Erdfälle oder Dolinen, die Eisinger Löcher. Während das eine, 21 m tief, schon seit langer Zeit existiert, entstand das zweite durch Einbrechen der Muschelkalkdecke erst 1966.

Ein weiteres Naturhighlight ist die Springenhalde bei Ersingen, eine Streuobstwiese, die bis 1982 von Wald bedeckt war. Durch eine behutsame Mahd konnte hier eine in unserer Gegend einmalige Pflanzenvielfalt entstehen. Besonders seltene Orchideen und Blumen wie das Bienenragwurz und das Hummelragwurz mit einer höchst interessanten Vermehrungsstrategie - durch Aussehen und Duft der Blüte glaubt das Männchen der Hummel, er hätte es mit einem Weibchen zu tun- ziehen Naturfreunde aus ganz Deutschland an. Hinzu kommen noch wärmeliebende Insekten, von denen der Mittlere Weinschwärmer, ein Falter, sogar nachts hervorragend sehen kann.

Nach einem Abstecher in Tiefenbronn, dessen gotische katholische Kirche durch ihre kunstgeschichtlich bedeutenden fünf Altäre glänzt, endete die Reise durch die Grenzlandschaft zwischen dem Kraichgau und der südlich angrenzenden Buntsandsteinlandschaft in Öschelbronn-Dürrn. Hier beginnt schon der schwäbische Streuobstanbau, der mit seinen teilweise stehengelassenen Totholzbäumen Klaiber, Specht, dem Steinkauz und Blattschneidebienen nicht nur Nahrung, sondern auch Unterschlupf bietet. Nach über anderthalb Stunden endete der Vortag mit dem Bild des wohl schönsten Baum des Kraichgaus, einem über 250 Jahre alten Speierling, dessen Früchte zur Klärung der Mostmaische dienten.