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  RÜckblick    Berichte 2018    13.03.2018  

Die Entstehung der römischen Provinzen an Rhein und oberer Donau

m 13. März 2018 hielt Prof. Markus Scholz von der Universität Frankfurt vor über 60 Zuhörern einen Vortrag über das Werden der römischen Provinzen in unserem Raum. Nach der Eroberung Roms durch den keltischen König Brennus und den verlustreichen Kimbern- und Teutonenkriegen, gab es auf römischer Seite eine latente Furcht vor diesen Völkern. So besiegte Caesar im Gallischen Kriege nicht nur die Kelten, sondern auch den Germanenkönig Ariovist, was seinen Ruhm zusätzlich mehrte.

Unter den Statthalterschaften des Marcus Agrippa in Gallien; um 40 und 20 v. Chr., wurden verstärkt Verwaltungsstrukturen und das Straßennetz ausgebaut. Der Gründung des Legionslagers in Nijmegen folgten weitere Truppenverstärkungen und diesen wiederum Händler und Handwerker. In unserem Gebiet lassen sich in der zweiten Hälfte des 1. Jh. v. Christus nahezu keine keltischen Fundstellen mehr nachweisen. Pollenanalysen zufolge muss aber weiterhin eine kontinuierliche Besiedlung existiert haben. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Fund der Straßenstation von Westheim in der Pfalz, welche Ende des 2. Jahrzehnts v. Chr. geschleift wurde. Hier konnten Funde sowohl mit römischem, gallo-römischem, keltischem und germanischem Hintergrund gemacht werden - was auf einen gewissen Kulturaustausch der verschiedenen Bevölkerungsgruppen rückschließen lässt. Es folgten eine Reihe von Feldzügen: der Alpenfeldzug des Drusus und des Tiberius 16/15 v. Chr.; 12-9 v. Chr. drang Drusus in linksrheinisches Gebiet vor, was letztendlich für ihn fatal war: Er fiel vom Pferd und starb bald darauf. Ihm zu Ehren wurde in Mainz ein Kenotaph (Leergrab) errichtet, der heutige „Eigelstein“. Die durch seinen Bruder Tiberius fortgesetzten Eroberungen waren nur punktuell und reichten nie geschlossen bis zur vorgesehenen Elbegrenze. Erste rechtsrheinische stadtähnliche Ansiedlungen wurden nach der Niederlage des Varus, spätestens aber bis 16. Chr., unfertig geräumt.

19 n. Chr. ist bereits von gallischen und germanischen Stammesverwaltungseinheiten (Civitates) die Rede, die einen Landtag (Concilium) hatten. Auch gab es mit der Ara Ubiorum in Köln einen politischen Zentralort für den Kaiserkult. Ab 30/40 n. Chr., sind im Mittelrheingebiet wieder kontinuierliche rechtsrheinische Befestigungen fassbar; ebenso werden gegenüber den linksrheinischen römischen Militäranlagen in der Gegend von Groß-Gerau, Ladenburg und Kehl gezielt elbgermanische Bevölkerungsteile angesiedelt, welche im Auftrag Roms das Grenzvorfeld bewachen sollten. Es folgten gegen 80 n. Chr. erste Limesabschnitte in der Wetterau und um 100 n. Chr. der Bau des Neckar-Odenwald-Limes, welcher unter Antoninus Pius um 160 erneut vorverlegt wurde. Eine echte Provinzeinteilung und die Verleihung der Lex Proviciae für Ober- und Niedergermanien erfolgte erst gegen 90. n. Chr. Die Worte des Tacitus „Tam diu Germania vincitur?“, „wie lange wirst du schon besiegt, Germanien?“, behalten auch für die nächsten Jahrhunderte ihre Gültigkeit – ein echter Masterplan zur völligen Unterwerfung Germaniens hatte anscheinend nie existiert.

Mit diesem Resümee von Prof. Scholz endete die Vortragssaison 2017/18. Allerdings konnte der Vereinsvorsitzende Helmut Dörflinger schon eine facettenreiche Abendvortragsreihe für 2018/19 ankündigen. Wir dürfen also gespannt sein!