RÜckblick    Berichte 2011    13.04.2011  

An der Ecke zu Sunnesheim...

zur wiederentdeckten Stadtburg in Sinsheim

r. Folke Damminger vom Regierungspräsidium Karlsruhe berichtete am 13.04.2011 über eine wiederentdeckte Burg in der Altstadt von Sinsheim. Als Grabungsleiter des damaligen Landesdenkmalamts Baden-Württemberg organisierte er von März bis November 2004 im Vorfeld der geplanten Errichtung eines Gebäudekomplexes mit Tiefgarage umfangreiche archäologische Ausgrabungen in der Burggasse in der Innenstadt von Sinsheim. Als einzige Spur verwies der Name der Burggasse auf die einstige Existenz einer Burg im Südwesten der Sinsheimer Altstadt. Von der örtlichen Forschung vielfach den hochmittelalterlichen Gaugrafen aus dem Geschlecht der Zeisolf-Wolframe zugewiesen, schien doch eine Identifikation mit dem um 1235 in den Schriftquellen erscheinenden Sitz des kaiserlichen Stadtvogts wahrscheinlicher. Was anfangs nur ein Verdacht war, bestätigte sich mit Fortgang der Grabungsarbeiten. Stück für Stück konnte der annähernd vollständige Grundriss der gänzlich aus dem Stadtbild verschwundenen Befestigungsanlage in ihrer baulichen Entwicklung von der Zeit um 1300 bis in das 15. Jahrhundert freigelegt und untersucht werden.

Auf die ältesten Grubenbefunde aus der Zeit um 1200 folgte eine leichte Fachwerkbebauung, deren Strukturen in ihrer Orientierung dem noch heute gültigen Parzellennetz entsprechen. In der untersuchten Fläche ließen sich drei Bauphasen differenzieren. Die Schichten der jüngsten Bebauung liefen dabei gegen die im Verlauf des 13. Jahrhunderts errichtete Stadtmauer.

Der Zeitpunkt des Siedlungsbeginns auf dem Areal und die regelhafte Ausrichtung dieser frühesten Baustrukturen stützen die Hypothese der historischen Forschung, die in den 1192 durch Heinrich VI. erteilten Privilegien den entscheidenden Anstoß zur Stadtwerdung Sinsheims sieht. Physisch äußerte sich das in der Neuordnung der vorhergehenden Marktsiedlung zu der im heutigen Kataster aufscheinenden mittelalterlichen Stadt.

Obwohl sie möglicherweise schon früher existierte, erhielt die Burg erst mit einem um 1300 in die Stadtmauer-Ecke eingebauten Wohnturm mit dem Grundriss 10 m × 10 m ihre endgültige Gestalt. Begrenzt wurde das 22 m im Quadrat messende Burginnere gegen die Stadt hin von einer stumpf an die Stadtmauer angesetzten Umfassungsmauer von gleicher Stärke. Ein wohl im 14. Jahrhundert im Norden an diese Mauer angebautes Gebäude von 11 m × 7 m vervollständigte das Ensemble. Die im Vergleich zu Stadtmauer und Turm geringere Fundamentstärke spricht dafür, dass diese ein niedrigeres Steingebäude oder gar nur den Steinsockel eines Fachwerkbaus getragen hat.

Die durch zahlreiche Funde bezeugte Nutzung der Anlage währte bis in das 15. Jahrhundert. Der in den Schriftquellen für die Zeit vor 1512 belegte Abbau der Burg ließ sich auch archäologisch nachweisen. An ihrer Stelle wurde ein auf Stadtansichten des 17. Jahrhunderts - so etwa bei Merian - abgebildetes repräsentatives Gebäude von rund 9 m × 15 m Außenmaßen errichtet, das wahrscheinlich in den Jahren des Pfälzischen Erbfolgekrieges einem Brand zum Opfer fiel. Bürgerschaftlichem Engagement und der einsichtigen Kommunalpolitik ist es zu verdanken, dass die Fundstelle erhalten und in die Gestaltung eines neu geschaffenen innerstädtischen Platzes einbezogen wurde.