RÜckblick    Berichte 2011    15.02.2011  

Antike Mythen im Wandel - Herkules - Apollo - Minerva

ar der Titel des Stettfelder Abendvortrags von Manfred Berberich am Dienstag, dem 15.02.2011 vor mehr als 40 Zuhörern. Der Referent startete mit Apollo, dem nach dem Göttervater Jupiter die größte Bedeutung in der antiken Mythologie zukommt. Apollo ist zum einen der Pfeilgott, der strafende und sühnende, auch verderbenbringende und heilende Gott, der Gott des delphischen Orakels. Weiter ist er der Gott der Leier, der Gott der Sänger. Schließlich wird er auch als Sonnengott verehrt. Die verschiedenen Eigenschaften werden einerseits in der Ilias des Homer, die des Phoebus Apollo, des Lichtgottes aber erst später erwähnt. Hier ersetzt Apollo im Laufe der Zeit den ursprünglichen Gott Helios. Die Insignien des Apollo sind einmal die Pfeile, mit der die göttliche Ordnung verteidigt, die Hybris bestraft wird. Die Leier gilt als Symbol für Ordnung, Maß und Harmonie. Der Lorbeer bedeutet Reinigung, Sühne und Ruhm. Der Dreifuß steht für Weissagung, Heilsbringer, Zukunft, goldene Zeit. Die Sonne schließlich steht für Licht und Macht. Herr Berberich zeigte, unterstützt durch ausgezeichnetes Bildmaterial, wie sich der Mythos des Apollo in der Antike weiterentwickelt von den Sybillen und der Verknüpfung Apollos mit Aeneas, dem Trojaner als Stammvater der Römer, über die Apollo-Verehrung unter Augustus bis hin zur Apollo-Symbolik in der Kunst des Mittelalters, der Renaissance, des Barock und des Rokoko.

Minerva ist die Schutzherrin von bürgerlichen Tugenden und gestalterischer Kraft. Sie steht für Klugheit und vorausschauende Planung, kommt aber als Mythos in der Neuzeit schlechter weg als Apollo und Herkules.

Erstaunlich ist die Entwicklung des Mythos Herkules. Seine grundlegenden Eigenschaften, seine Standhaftigkeit und Tugend, seine Stärke und sein Mut ermöglichen seine gewaltigen Heldentaten und den daraus folgenden Ruhm. Zum Beispiel ist Herkules und der nemeische Löwe besonderes Sinnbild für Mut und Stärke geworden. Keine andere Herkulestat wurde von Anfang an so häufig dargestellt. Herkules mit Löwenfell und Keule, das ist der Typ auch des Stettfelder Museums, wie er in der Antike häufig als Plastik erscheint. Herkules ist aber auch der unermüdlich Arbeitende, der der aufgebürdeten Lasten nicht müde wird, ein Held der Arbeit und des Leids. Seine letzte Prüfung, der Todeskampf und die anschließende Vergöttlichung, hat u. a. die antiken Tragödiendichter Sophokles, Euripides und Seneca beschäftigt. Seither ist Herkules in der abendländischen Überlieferung derjenige, der über Arbeit, Anstrengung, Prüfungen und Leid zu Ruhm und Erfolg kommt. Immer wieder wird er auf Münzen, in Gemälden und Plastiken dargestellt. Die Herrscher vergangener Jahrhunderte haben sich mit diesen Werken gern diesem vorbildlichen Helden und Gott gewidmet.

Mit der Lektüre von "Herkules' Tod" aus den Metamorphosen von Ovid und Hölderlins "Sonnenuntergang" beendete der Referent seine umfangreiche Darstellung der antiken Mythen und ihrer Wirkung bis in unsere Zeit.