RÜckblick    Berichte 2019    15.02.2019  

Bestattungsritus in römischer Zeit – das römische Gräberfeld von Stettfeld

m 15.02.2019 referierte Dr. Peter Knötzele – selbst Mitglied des Freundeskreises Römermuseum und nicht zuletzt durch seine jüngste Publikation als profunder Kenner des römischen Stettfeld ausgewiesen – bei den Römerfreunden über den römischen Bestattungsritus im Stettfelder Gräberfeld.

Ob es neben dem bisher bekannten einzigen Gräberfeld noch ein weiteres gab, ist nicht mit Sicherheit zu beantworten, jedoch auch nicht ausgeschlossen. Jedenfalls muß es nach römischem Recht in gewisser, jedoch nicht einheitlich bestimmter Entfernung von der Siedlung gelegen gewesen sein.

Der Referent schilderte dann den Ablauf eines Begräbnisses anhand schriftlicher Quellen und archäologischer Funde, wobei das Totenbrauchtum der römischen Kaiserzeit aufgrund lokaler Gebräuche nicht auf einen einfachen Nenner zu bringen ist. Die Lebenserwartung lag in Stettfeld übrigens bei Männern bei 37,1 Jahren und bei Frauen bei 36,6 Jahren.

Es gab keinen definierten Zeitpunkt, an dem die Bestattung stattfinden mußte. Oft wurde der Tote noch am selben Tag, mitunter auch erst nach drei oder mehr Tagen beerdigt, wobei auch die soziale Stellung eine wesentliche Rolle spielte. Der Leichenzug bot Gelegenheit sowohl zur familiären Selbstdarstellung als auch, die Wertschätzung des Verstorbenen u.a. durch Leichenreden hervorzuheben. Alsdann erfolgte die damals übliche Verbrennung des Toten auf einem – in Stettfeld noch nicht lokalisierten - Verbrennungsplatz, soweit die Verbrennung nicht direkt über der Bestattungsgrube stattfand. Der Leichnam verbrannte innerhalb mehrerer Stunden, wobei Temperaturen von 800 – 1000 Grad Celsius erreicht wurden. Für einen Erwachsenen wurden rund 1,5 Kubikmeter Holz benötigt! Säuglinge wurden häufig nicht verbrannt. Mitte des 2. Jh. n. Chr. kam in den Nordprovinzen die Körperbestattung auf, die dann ab dem 3. Jh.überwog. Die Gründe für diesen Wechsel sind noch nicht genau bekannt, soweit sie nicht auf den christlichen Glauben zurückgehen.

Die Bestattungen erfolgten gewöhnlich ohne äußere Struktur und Ordnung im Gräberfeld, das keine Umfassungsmauern hatte. Höchstens die einzelnen Gräber besaßen Umfriedungen. Sie waren jedenfalls markiert, z.B. durch Grabsteine oder Grabmonumente.

Die verschiedenen Bestattungsformen kann man der Dauerausstellung im Römermuseum Stettfeld leicht entnehmen (Leichenbrand im Säckchen, in einem großen irdenen Kochtopf oder einer Steinkiste usw.). Auffällig ist das Fehlen von Glasurnen, die z.B. in Heidelberg oft anzutreffen sind.

An erhaltenen Beigaben wurde häufig Keramik zweiter Wahl oder mit Benutzungsspuren verwendet. Man fand auch einzelne Schuhnägel – häufig in einem Krug – als pars pro toto. Speziell für Stettfeld zu erwähnen sind ferner bemerkenswerte Glasbeigaben. Münzen im Mund als Lohn für den Unterweltsfährmann Charon sind hingegen in Stettfeld relativ selten.

Generell läßt sich feststellen, daß römische Gräber aufgrund der Jenseitsvorstellungen (freudloses und anonymes Dasein im Jenseits) bescheiden wirken, während es bei einheimischer Bevölkerung keltischen oder germanischen Ursprungs üblich war, den Toten wie zu Lebzeiten reichlich auszustatten, da man dort ein individuelles Fortleben im Jenseits als gesichert ansah. Etwa 70 Zuhörer dankten dem Referenten mit begeistertem Applaus.