RÜckblick    Berichte 2012    16.04.2012  

Kleidung und Identität in der römischen Welt - Neue Erkenntnisse der Textilarchäologie dank Dress-ID

ieß der Vortrag von Direktor Dr. Michael Tellenbach von den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem), den er im Römerkeller Stettfeld am 16.04.2012 gemeinsam mit Frau Dr. Ursula Rothe, der Projektmanagerin DressID von rem, vor 35 Zuhörern über wesentliche Forschungsergebnisse zu antiker Kleidung hielt. DressID ist ein multinationales und interdisziplinäres Projekt, das, von der Curt-Engelhorn-Stiftung koordiniert, seit 2007 gemeinsam mit Partnern aus sechs weiteren europäischen Ländern durchgeführt und von der EU gefördert wird. Das Interesse der Forscher gilt der Bedeutung der antiken Textilien und ihres Informationsgehaltes in Bezug auf Identitäten, Status und Luxusverständnis aber auch im Hinblick auf Produktionsprozesse, Technologietransfer und Handel.

In den verschiedenen Arbeitsgruppen von DressID, die entweder der Grundlagenforschung oder der Kontextforschung zuzuordnen sind, wurden in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt. Die Vortragenden zeigten die weitreichenden Möglichkeiten und Erkenntnisse auf, die sich aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Chemikern, Physikern, Archäologen, Altphilologen, Historikern, Textilforschern, Restauratoren und vielen anderen ergaben. Die Projektmitarbeiter widmeten sich allen Aspekten der antiken Kleidung, angefangen bei der Faser-, Gewebe- und Farbanalyse, über 14C-Datierung, Rekonstruktion, bis hin zur Interpretation von Bild- und Schriftquellen.

Dank moderner Untersuchungstechniken wurden in der Grundlagenforschung umfangreiche neue Erkenntnisse über die als Kleidung verwendeten Textilien gewonnen. Unter Anderem gewinnt man heute aus mineralisierten Strukturen, Abdrücken auf Münzen oder aus den Korrosionsschichten von Bronzegeräten umfangreiche Informationen über die Art von Textilfasern, ihre Herkunft und Herstellung. Mit Hilfe von transportablen Farbspektrometern gelang die zerstörungsfreie Analyse der verwendeten Farbmaterialien, die zuvor nur auf chemischem Weg möglich war. Die neuerliche Untersuchung von Altfunden aus europäischen Museen mit modernsten Methoden hat weitere wichtige Erkenntnisse gebracht. In der Kontextforschung wurden archäologisch überlieferte originale Textilien, antike Bildwerke und naturwissenschaftliche Analyseergebnisse in Relation gesetzt und die sich daraus ergebenden bemerkenswerten und ganz neuen Erkenntnisse über den persönlichen Besitz antiker Römer vorgestellt.

Als wichtigstes Ergebnis der bisherigen Untersuchungen kann die Textilarchäologie beweisen, dass es im römischen Vielvölkerstaat keine ethnischen Konflikte gab. Ob in Palmyra, der östlichsten Stadt des römischen Reichs oder in Ägypten, ob in Pannonien oder in Britannien, in Gallien oder Germanien, in Spanien oder Italien, alle römischen Bürger waren sowohl Römer als auch Angehörige ihrer ethnischen Gruppe und haben das auch mit ihrer Kleidung zum Ausdruck gebracht: zu offiziellen Anlässen trug der Mann die Toga, ansonsten die jeweilige Landestracht. Die Farbigkeit der Kleidung war ein besonderes Unterscheidungsmerkmal, das den Rang und Stand der jeweiligen Person zum Ausdruck brachte. Ganz besonders gefragt war der kostbare Purpurfarbstoff der Murex-Schnecke. Purpur war schließlich nur noch am Kaiserhof erlaubt.

Die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse der Forschungstätigkeit erlauben, dass ab November 2013 eine umfangreiche Sonderausstellung zum Thema DressID in den Reiss-Engelhorn-Museen gezeigt wird, zu der der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld eine Exkursion mit kompetenter Führung plant. Eine ausführliche Diskussion schloss sich an und zeigte, dass das Thema auf großes Interesse stieß.