RÜckblick    Berichte 2011    18.01.2011  

Wechselvolle & faszinierende Vergangenheit

homas Adam aus Karlsruhe, Kulturreferent und Museumsleiter in Bruchsal und bekannter Autor zur regionalen Kultur und Geschichte hat am 18.01.2011 einem höchst interessierten Publikum – mehr als 60 Teilnehmern – sehr facettenreich und reizvoll bebildert vom Kraichgau berichtet.

Dieser erste Vortrag im Jahr 2011 im Rahmen der Stettfelder Abendvorträge befasste sich mit der Vorstellung des neuesten Werkes von Thomas Adam, der Kleinen Geschichte des Kraichgaus, die vom Referenten zeitlich zwischen dem homo heidelbergensis aus Mauer (600000 Jahre alt) und TSG 1899 Hoffenheim (Fußball-Bundesliga seit 2008) eingegrenzt wurde . Dabei hat er den Zuhörer zunächst mit der Frage konfrontiert: Wo und was ist eigentlich der Kraichgau? Dazu gab der Referent einige Anekdoten zum Besten, die das Publikum mehr als einmal zum Schmunzeln brachte. Haben doch immer wieder Einheimische ernsthaft geäußert, dass ihr Landstrich nicht zum Kraichgau gehört. Adam und mit ihm die Mehrzahl der Bewohner definieren den Kraichgau als das Hügelland zwischen Schwarz- und Odenwald, das in wechselvoller Geschichte von bedeutenden Ereignissen und Namen genauso zeugt wie von bitterem Leid der Bevölkerung, die stets dem Durchzug fremder Heere ihren Blutzoll entrichten musste.

Keine Landschaft in Deutschland hat durch Realteilung mehr kleine und kleinste adlige Herrschaften und entsprechend viele kleine und größere Schlösser und Burgen hervorgebracht. Durch die konkurrierenden kleinen Herrschaften wurde die geistige Elite gefördert, die immer wieder auf kurze Distanz ihre Sponsoren fand. Auch Minderheiten wie Juden oder Hugenotten fanden oft Schutz in den Kleinststaaten.

Die Realteilung bei den landwirtschaftlichen Betrieben führte zu immer kleineren Einheiten, die schließlich ihre Besitzer kaum noch ernähren konnten. Dabei ist das Kraichgauer Hügelland dank gewaltiger Lößschichten eine sehr fruchtbare Gegend.

Zu Beginn der Industrialisierung verdingten sich viele Bauern als Tagelöhner in der Industrie, um sich ein Auskommen zu sichern. Erst im 20. Jahrhundert wurden durch Flurbereinigung aus den Kleinstparzellen schließlich wieder bewirtschaftbare Äcker. Mit großem Applaus und einer regen Diskussion endete dieser Vortragsabend.