RÜckblick    Berichte 2013    19.12.2013  

Keltisches Eisen im Nordschwarzwald

achfolgend eine Zusammenfassung des Vortrags „Keltisches Eisen im Nordschwarzwald“ von Dr. Günther Wieland vom Regierungspräsidium Karlsruhe (Referat 26, Denkmalpflege) vom 19.12.2013.

Bereits seit den 1930er Jahren ist eine frühlatènezeitliche Siedlung (5./4. Jh. v. Chr.) auf dem Schlossberg von Neuenbürg im Nordschwarzwald bekannt. 1995/1996 gelang der Beweis, dass hier schon vor 2500 Jahren Eisenerze in beträchtlichem Umfang abgebaut und verhüttet wurden - im Gegensatz zu den drei weiteren keltischen Befestigungen in Rudersberg, Baden-Baden und Hohennagold.

Dank der Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft konnten von 2004 - 2010 durch die archäologische Denkmalpflege bei Neuenbürg-Waldrennach mehrere keltische Verhüttungsplätze untersucht werden (Um Neuenbürg herum hat man bisher 80 Verhüttungsplätze entdeckt!). Sie erlauben einen detaillierten Einblick in die keltische Eisenproduktion. Die Öfen von Waldrennach gehören in das 6. und 5. Jh. v. Chr. und zählen damit zu den ältesten Eisenproduktionsstätten nördlich der Alpen. Hier fand man u.a. die ältesten Sensen nördlich der Alpen (beginnend mit dem 5. Jh. v. Chr.).

Die zugehörige Höhensiedlung auf dem Neuenbürger Schlossberg wurde in den letzten Jahren ebenfalls weiter erforscht. So lässt sich mittlerweile erschließen, dass im 5. Jh. v. Chr. im Nordschwarzwald von hoch spezialisierten Metallhandwerkern in großem Umfang für einen überregionalen Bedarf Eisen produziert wurde. Diese Verhüttung und Produktion blühte etwa 250 – 300 Jahre, setzte voll entwickelt ein (Technologieimport aus dem Süden?) und endete abrupt.

Im Siegerland gibt es eine später beginnende ähnliche Entwicklung. Evtl. sind damals die Eisenfachleute vom Nordschwarzwald dorthin gezogen. Etwa 35 hochinteressierte Zuhörer bedankten sich beim Referenten für seinen aufschlussreichen Vortrag mit langem Applaus.