+++ Aktueller Hinweis: VERLÄNGERUNG - Die PLAYMOBIL-Sonderausstellung - Ein Lächeln zu Gast - kann im Römermuseum Stettfeld noch bis 30. April 2019 besucht und entdeckt werden +++

  RÜckblick    Berichte 2018    23.10.2018  

Die Juden im römischen Reich

n einer Gemeinschaftsveranstaltung mit dem Bildungswerk der Seelsorgeeinheit Ubstadt-Weiher, hielt Frau Ute Schall am 23. Oktober 2018 vor knapp 80 Zuhörern einem Vortrag über die Juden im Imperium Romanum.

Gekennzeichnet war diese Geschichte entweder durch die Herrschaft fremder, oft nichtjüdischer Dynastien oder durch Neid, Streit und Mord innerhalb der königlichen Familien. So wurden die im 2. Jh. v. Chr. regierenden hellenistischen Seleukiden, welche die Juden zwangen, den jeweiligen Herrscher anzubeten, im Aufstand des Judas Maccabäus hinweggefegt. Selbiger gründete seine eigene Dynastie, wobei die Römer die Unabhängigkeit derselben gegen Abgaben garantierte. Im Jahre 63 v. Chr. marschierte der römische Feldherr Pompeius anlässlich eines Thronstreites innerhalb der Herrscherfamilie in Judäa ein, um den Thronanwärter Hyrkan zu unterstützen und betrat dabei das Allerheiligste des Tempels – ein für die Juden unverzeihliches Sakrileg. Doch es sollte noch schlimmer kommen, denn nur wenige Jahre später plünderte der römische Feldherr Crassus den Tempel, um Geld für seinen Feldzug gegen die Parther zu bekommen. Seine Niederlage gegen diese, wurde von frommen Juden folglich als eine gerechte Strafe angesehen.

Die nächsten Jahre sind weiterhin durch Familienintrigen bestimmt: Als der siegreiche Thronanwärter Herodes seinen Antrittsbesuch im Rom macht, bittet er seinen Schwager Joachim über die Keuschheit seiner Frau Mariamne zu wachen. Zumindest gerüchteweise, konnte der Schwager aber selbst die Finger nicht von seiner Schwägerin lassen – was ihm und Mariamne nach der Rückkehr des Herodes den Kopf kostete. Selbst seinen Sohn aus erster Ehe, Antipater, lässt er als möglichen Konkurrenten hinrichten. All diese Taten machten ihn beim Volke nicht gerade beliebt, zumal seine Vorfahren „nur“ konvertierte Juden waren. Um also mehr Akzeptanz zu gewinnen, ließ Herodes um 20. v. Chr. einen neuen und überaus prächtigen Tempel errichten, der erst 64 n. Chr. fertiggestellt wurde. Wenig überraschend, kommt es nach dem Tode des Herodes wieder zu Streitigkeiten unter seinen potentiellen Nachfolgern. Diesmal hat die Schutzmacht Rom allerdings genug: im Jahre 6. n. Chr. wird Judäa zu einer römischen Provinz umgewandelt.

Danach blieb es dort lange Jahre ruhig – bis zur Fertigstellung des Tempels. Durch Beendigung dieses gigantischen Bauprojektes kam es schlagartig zu einer hohen Arbeitslosigkeit, die – verbunden mit einem harten Regiment des römischen Statthalters - im Jahre 66 zu einem Aufstand gegen die römische Fremdherrschaft führte. Rom schickte seinen erfahrenen Feldherrn und späteren Kaiser Vespasian zur Niederschlagung des Aufstandes nach Judäa. Unter dem Befehl seines Sohnes Titus, wurde die Rebellion schließlich niedergeschlagen, der Tempel geplündert und niedergebrannt und als letzte Bastion des Widerstands die Festung Masada genommen. Überliefert wurde uns die Geschichte des „Jüdischen Krieges“ durch den Chronisten Flavius Josephus. Dieser war jüdischer Kommandant der von den Römern eroberten Festung Jotapata und geriet dort in Kriegsgefangenschaft. Dank seiner richtigen Vorhersage, Vespasian würde römischer Kaiser werden, wurde er verschont und konnte uns wichtige Informationen zu diesem Aufstand geben.

Aber trotz der Zerstörung Jerusalems und einem römischen Strafgericht, gab es noch immer Juden in Judäa. Diese hatten nichts von ihrer rebellischen Haltung abgelegt und so kam es 115 n. Chr. zu vereinzelten schweren Unruhen in der Levante. Die Juden rüsteten heimlich gegen die Römer und im Jahre 132 entfachte ein gewisser Bar Kochba, der von vielen Juden als Messias angesehen wurde, einen erneuten brutalen Aufstand, der erst nach vielen Mühen 135 n Chr. von den Römern blutig niedergeschlagen werden konnte. Aus Jerusalem wurde nun Aelia Capitolina und Juden war der Zutritt unter Todesstrafe verboten. Nur an einem einzigen Tag im Jahr erhielten sie Zugang in die Stadt – und auch nur zur Klagemauer. Ansonsten wurden sie in alle Ecken des Imperiums verstreut; aus Judäa wurde Palästina. Und doch ist die Geschichte immer wieder für Überraschungen gut: Das große Imperium der Römer existiert nicht mehr und wird wohl auch niemals mehr neu erstehen. Der Staat der Juden hingegen, wurde nach fast 1800 Jahren neu gegründet und gab zahlreichen, in der Diaspora verstreuten Juden eine neue (alte) Heimat.