RÜckblick    Berichte 2017    23.11.2017  

Einblicke in die römische Pflanzenwelt

m 23. November 2017 hielt Enrico de Gennaro, Leiter des Römermuseums Güglingen, vor 40 gespannten Zuhörern einen Vortrag über die römische Pflanzenwelt. Ausgehend von im feuchtem Milieu von Brunnen oder Latrinen aus Güglingen erhaltenen Pollen- und Pflanzenresten und von einer Bohrung in den moorigen Schichten der Lauffener Neckarschlinge, konnte man Rückschlüsse auf die Botanik der Römerzeit schließen.

Dabei zeigte es sich, dass Pflanzen mit den unterschiedlichsten und teilweise sogar gegensätzlichen Anforderungen an Boden, Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung in einem engen Umkreis um die Fundstelle wuchsen. Man kann somit von einem bunten Mosaik von fruchtbaren Äckern, feuchten Flussauen und trockeneren, sandigen Gebieten ausgehen. Trotz mehrerer nachgewiesener Baumarten, setzten die Baumeister in Güglingen offenbar auf Qualität und verwendeten ausschließlich Eichenholz. Durch die Zusammensetzung und Gewichtung der Pflanzenfunde, besonders der Getreidepflanzen, ist auch eine Änderung in der Ernährung und beim Anbau feststellen: Emmer und Einkorn, in vorrömischer Zeit stark verbreitet, werden im mittleren Neckarraum durch Gerste und Dinkel stark zurückgedrängt. Auch wurden mehrere Nutzpflanzen neu durch die Römer in unsere Region eingeführt oder erstmals veredelt. Dies sind z.B. Walnuss, Pflaume, Pfirsich, Gurke, Fenchel, Dill oder Sellerie - aber auch Unkräuter, wie die Kornblume. Nicht immer ist dabei eindeutig, ob die Pflanzen hier angebaut wurden oder reine Importe blieben. Feige oder Weintraube - letztere wurde nachweisbar erst im späten 3. und 4. Jahrhundert in der Moselregion angebaut - stehen für solche fraglichen Fälle. So konnten die Zuhörer schließlich mit vielen neuen Erkenntnissen nach Hause gehen und vermutlich blieb jedem von ihnen auch der Name einer in den Fundschichten Güglingens nachgewiesenen Pflanze im Kopfe hängen: dem Eichhörnchenschwanz-Weißzahnmoos!