RÜckblick    Berichte 2013    25.02.2013  

Toleranz in der Antike

oleranz in der Antike hieß der Stettfelder Abendvortrag von Dr. Ulrich Staffhorst am 25.02.2013 im Römerkeller Stettfeld. Mit dem Versuch einer Begriffsbestimmung der Tugend "Toleranz" begann der Referent. Bereits Cicero prägte das Wort "tolerantia" 46 v. Chr. als Untertugend der Tapferkeit im Zusammenhang mit Geduld, Leidensfähgkeit und Standhaftigkeit. Heute ist Toleranz eine im Wesentlichen positive kulturelle Eigenschaft. Dabei wird zwischen vertikaler und horizontaler Toleranz unterschieden: Die vertikale Toleranz beinhaltet die Duldung von Andersartigkeit durch die Obrigkeit, die horizontale umschreibt das entsprechende Verhalten auf gleicher Ebene. Der Gegensatz ist die Intoleranz. Aber auch die Indifferenz und Prinzipienlosigkeit dürfen nicht mit Toleranz verwechselt werden. Problematisch wird dagegen der Toleranzbegriff beim Verhalten gegenüber anerkannt negativen menschlichen Ausprägungen wie Gewalttätigkeit, Terrorismus, Totalitarismus, Rassismus, Egoismus u. ä. Hier ist sogar die Intoleranz als positiv zu bewerten.

In der Antike gab es bereits Tendenzen zu eingeschränkter Duldung von Andersartigkeit. Als Beispiele werden die griechischen Stadtstaaten mit ihrer Entwicklung zu demokratischen Verhältnissen und einer, wenngleich begrenzten, Religionsfreiheit wie auch im späteren römischen Reich genannt. Das Christentum hatte zunächst unter der Einschränkung der Religionsfreiheit im römischen Reich schwer zu leiden. Als dann im 4. nachchristlichen Jahrhundert allgemeine Religionsfreiheit gewährt wurde, waren es wiederum die Christen, die mit ihrem Monotheismus gegenüber anderen Religionen intolerant waren. Philosophen der Antike haben sogar den Sklaven gegenüber Toleranz geübt, indem sie deren Gewissensfreiheit anerkannten.

Doch die körperliche Unfreiheit von Sklaven blieb in der gesamten Antike und auch später erhalten – der Machtanspruch der Stärkeren gegenüber Unterlegenen und ihre Versklavung hat sich bis heute nicht vollständig ausmerzen lassen. Selbst das Christentum mit seiner Lehre von der Gleichheit aller Menschen hat das bis in jüngste Zeit nicht vermocht. Anhand von Beispielen aus der Antike stellt Dr. Staffhorst fest, dass es auch in der Antike bereits Geisteshaltungen gegeben hat, die als Vorstufen zu unserem heutigen Toleranzbegriff zu gelten haben: der Skeptizismus und Relativismus, die Konfliktvermeidung und Friedenssicherung durch kluge und vorausschauende Staatenlenkung, besondere Naturrechte, Menschenwürde und "Menschenrechte" und schließlich die Empathie und die christliche Forderung nach Nächstenliebe. Doch ist hierbei mit vielerlei Einschränkungen zu rechnen gewesen.

Ein einklagbares Recht auf Freiheit der Meinung und der Religion, wie wir es heute in vielen zivilisierten Staaten kennen, gab es damals jedoch nicht. Auch in heutiger Zeit ist aber in vielen Ländern die Freiheit der Religionsausübung und der Meinungsäußerung (noch) ein Fremdwort. Der Vortrag macht deutlich, dass es in der Antike bereits viele Ansätze zu Toleranz gab, dass aber das intolerante Verhalten bei weitem überwog. Auch heute sind wir, global gesehen, noch nicht viel weiter.