RÜckblick    Berichte 2011    25.10.2011  

Die Schlacht von Kadesch

ar der Titel des ersten Stettfelder Abendvortrags in diesem Winterhalbjahr. Am Dienstag, dem 25.10.2011 berichtete die Ägyptologin Frau Diana Liesegang M. A. aus Heidelberg vor mehr als 30 Zuhörern über die berühmteste Schlacht in der Geschichte des Alten Orients, die für die damalige Zeit bestens dokumentiert war. Im Jahre 1274 v.Chr. verließ Pharao Ramses II (auch der Große genannt) mit 4 Divisionen (ca. 20000 ägyptischen Soldaten und Söldnern mit rd. 2000 Streitwagen) seine ägyptische Hauptstadt und zog nach Norden, um den Einfluss der mächtigen Hethiter im heutigen Syrien und Libanon zu schwächen. Bei der Festung Kadesch aus dem hethitischen Machtbereich stießen die Ägypter mit ihrer ersten Division, nach dem Gott Amun benannt, überraschend auf die massierte Streitmacht des hethitischen Königs Muwatallis II. Durch beiderseitige Fehleinschätzung der Heerführer über die Stärke und Position der gegnerischen Armee konnte Ramses mit Müh und Not einer schweren Niederlage entkommen und mit den Hethitern einen Waffenstillstand aushandeln.

Ramses ließ später den Verlauf der Schlacht als großen Sieg in verschiedenen Tempeln wie z. B. in Abu Simbel in Wort und Bild feiern, wobei er aber indirekt zugab, gravierende Fehler als Heerführer gemacht zu haben. Nach seinen Aufzeichnungen hatte sein Gebet während der Schlacht zu Amun, seinem göttlichen Vater, die Wende zu einem mehr als glimpflichen Ausgang der Auseinandersetzung gebracht. Die Hethiter hatten sich aus bisher unerfindlichen Gründen trotz militärischer Überlegenheit auf die Festung Kadesch zurückgezogen und anschließend Waffenstillstand angeboten. Somit hatte Ramses außer beträchtlichen Verlusten seiner Armee nichts erreicht und musste schließlich ohne das beabsichtigte Ergebnis der Schwächung der Hethiter wieder abziehen. Leider sind die schriftlichen Aufzeichnungen der Hethiter auf Tontafeln in Keilschrift, die in Hattusa, der Hauptstadt, gefunden wurden, mehr als dürftig. Das wird darauf zurückgeführt, dass die Hauptstadt während der Regentschaft von Muwatallis II nach Tarhuntassa verlegt wurde, deren Reste bis heute nicht gefunden wurden.

Diese militärische Auseinandersetzung trug jedoch zu einer neuen Beziehung zwischen Ägypten und Hatti bei und legte den historischen Grundstein für die Entstehung des ersten offiziellen Friedensvertrages der Weltgeschichte, der im Jahre 1259 v.Chr. von Ramses II. und Hattusili III. geschlossen wurde. Dieser Friedensvertrag wurde während und nach der Regierungszeit Ramses II. nicht gebrochen und führte sogar zur Hochzeit einer hethitischen Königstochter mit einem ägyptischen Prinzen. Eine Kopie des Vertrages befindet sich im UNO-Gebäude in New York.