RÜckblick    Berichte 2012    27.02.2012  

Die Kaiserpfalz Wimpfen – Neue Erkenntnisse zu Anfang und Ende

m 27.02.2012 berichtete der bekannte Geologe und Heimatforscher Dr. Ludwig Hildebrandt aus Wiesloch über die Kaiserpfalz Wimpfen, die man zu Beginn des 19. Jahrhunderts offiziell noch nicht zur Kenntnis genommen hatte. Erst gegen Ende des 19. Jhdts. kam die Vermutung auf, dass es sich bei den Arkaden und den beiden Türmen um die Überbleibsel einer königlichen Pfalz aus dem Mittelalter handeln könnte.

Der Referent hat sich gemeinsam mit Nicolai Knauer ausgiebig mit der einschlägigen Literatur des 19. und 20. Jhdts. auseinandergesetzt und dabei viele Widersprüche entdeckt, die zu intensiver Forschung sowohl in den Archiven als auch archäologisch vor Ort führten. Ihre gemeinsamen Erkenntnisse haben sie in "Anfang und Ende der Kaiserpfalz Wimpfen – Ergänzungen zum bisherigen Forschungsstand." in der Publikation des Heimatvereins Kraichgau "Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung, Folge 21, 2009" veröffentlicht.

Die wesentlichen Erkenntnisse bzw. auf archäologischen Funden und bautechnischen Vergleichen beruhenden Vermutungen sind, dass, abgesehen von der älter eingestuften Umfassungsmauer, die ersten Baumaßnahmen zwischen 1150 und 1170 unter der Regierung des Stauferkönigs Friedrich I. (Barbarossa) gestartet wurden.

Der Palas (großer Saalbau) der Pfalz, die angrenzende Kapelle und ein dritter, erst 1983 in seinen Fundamenten entdeckter Bergfried sind etwa in diese Zeit zu datieren. Auch ist belegt, dass sich Friedrich Barbarossa 1182 in Wimpfen aufhielt. Weitere Besuche auf der Durchreise sind wahrscheinlich, was Dr. Hildebrandt mit einer Straßenkarte der damaligen Zeit und Eintragungen im Itinerar Friedrichs zu belegen suchte.

Die weiteren Bauten der Pfalz mit einer Gesamtlänge von mehr als 200 m und einer maximalen Breite von 80m wie das Steinhaus, zwei Bergfriede (Roter und Blauer Turm) werden von Hildebrandt und Knauer auf den Anfang des 13. Jhdts. datiert und mit der Regierungszeit Friedrichs II. in Verbindung gebracht.

Im 14. Jhdt. (nach Hildebrandt/Knauer zwischen 1320 und 1322) kam es, belegt durch archäologische Funde und unterstützt durch Erkenntnisse aus der Geschichtsschreibung zu einer Brandzerstörung der Pfalz , in deren Gefolge die Anlagen schließlich anderweitig genutzt wurden. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte ging das Wissen über die frühere Nutzung verloren.

Dr. Hildebrandt hat die Geschichte der Kaiserpfalz Wimpfen sehr anschaulich und kompetent geschildert und durch viele Ausflüge in Details der Archäologie, der Geologie sowie der Geschichte des damaligen Deutschen Reichs ergänzt.

Rund 60 Zuhörer folgten gespannt den Ausführungen und haben in der folgenden Diskussion ihr großes Interesse an diesem Ausschnitt der heimatlichen Geschichte bezeugt.