RÜckblick    Berichte 2012    27.03.2012  

Als Römer ins Jenseits - Grabbauten als neue Statussymbole in den nördlichen Grenzprovinzen des Imperium Romanum im
1.-3. Jahrhundert n. Chr.

ar der Titel des Lichtbilder-Vortrags, den Dr. Markus Scholz vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz am 27.03.2012 vor über 40 Zuhörern im Stettfelder Römerkeller hielt.

Er berichtete über das Ergebnis von über 5-jähriger Forschungstätigkeit an den verbindenden und unterscheidenden Merkmalen von Grabbauten in den nördlichen römischen Grenzprovinzen.

Zunächst wurden Hügelgräber, wie man sie aus der vorrömischen Zeit schon kannte, zur Bestattung genutzt. Ab etwa 1. bis Mitte des 2. Jhdt. n. Chr. wurden sie in den Rheinprovinzen und Britannia um die aus dem Mittelmeerraum schon früher üblichen Rundgräber (tumuli) ergänzt. In den östlichen Donauprovinzen errichtete man ergänzend die aus dem antiken Griechenland bekannten Rundgräber mit Grabzugang (dromoi).

Parallel fanden mehr und mehr reine Steinbauten Anwendung. Neben prächtig mit Reliefs geschmückten Grabstelen wurden Mausoleen, Grabtempel und Altäre als Übernahme und Weiterentwicklung mediterraner Monument-Typen in ausgesprochen mächtigen Dimensionen zur Berichterstattung über die Funktion und Taten der Verstorbenen benutzt. Gewaltige Ausmaße erreichte z. B. die 23m hohe Igeler Säule, das Grabmonument einer Tuchhändlerfamilie mit Reliefdarstellungen aus dem Berufs- und Familienleben oder der Mainzer Drususstein mit einer Höhe von 22m als tumulus honorarius für den 9 v. Chr. in germania superior tödlich verunglückten römischen Feldherrn Drusus. Sie dienten sowohl der dauerhaften pietätvollen Erinnerung an einzelne Personen als häufig auch der Selbstdarstellung der Familien.

Durch die Wahl bestimmter Architekturformen und Bildmotive sowie durch Grabinschriften ließen sich soziale Unterschiede ausdrücken.

Durch bestimmte Grab-Bautypen wurden regionale Schwerpunkte und Gruppen eingegrenzt. Verfügbare Vorbilder, wirtschaftsgeographische und kulturelle Verbindungen oder Barrieren haben ihre Entstehung beeinflusst. In anderen Fällen entschieden vorhandene oder fehlende Materialien oder künstlerische und technische Fertigkeiten der lokalen Werkstätten über die Gestaltung der Denkmäler.

Die Übernahme und lokale Anpassung von Statussymbolen aus Rom durch den "gehobenen" Mittelstand wurde zum Gradmesser der Romanisierung in den Grenzprovinzen von Britannien über Germanien bis zum Schwarzen Meer.