RÜckblick    Berichte 2011    28.11.2011  

Odins Wald oder "öder" Wald

Odins Wald oder "öder" Wald, natur-und kulturgeschichtliche Impressionen aus dem Kleinen und Vorderen Odenwald

as war der vielversprechende Titel des Vortrags von Jürgen Alberti aus Bad Schönborn am 28.11.2011. Mehr als 50 Gäste folgten der Einladung und wurden mit ausführlich kommentierten, hervorragenden Aufnahmen belohnt. Der Referent entführte seine gespannten Zuhörer nach einem geologischen Exkurs in das dünn besiedelte Waldland mit vorwiegend herrlichem Buchenbestand und besonderen, im Odenwald wild vorkommenden Pflanzen (z. B. Färberwaid, Küchenschelle und Pechnelke). Rot- und Damwild, Rehe, Wildschweine und viele andernorts bereits ausgestorbene Insekten sind in abgelegenen Gebieten anzutreffen.

Bei Breitenbach steht eine uralte Hainbuche, die sich ungehindert in alle Richtungen ausbreiten konnte. Ein ebenfalls eindrucksvolles Natur- und Kulturdenkmal ist das Bullauer Bild aus dem Jahr 1561, ein vom Baumstamm umwachsener Bildstock.

Neben den vielfältigen Zeugnissen einer von Touristen wenig berührten Natur zeigte Herr Alberti eindrucksvolle Aufnahmen aus der Geschichte der Besiedlung des Odenwalds: Die Einhards-Basilika in Steinbach bei Michelstadt aus dem Jahre 827 ist die bedeutendste romanische Basilika karolingischer Herkunft. Die Hühnerfautei (Hinkelhaus) der Klosteranlage Schönau von 1142 ist eines der besterhaltenen romanischen Profangebäude. Die Burg Wildenburg wurde ab 1190 errichtet und diente anscheinend Wolfram von Eschenbach als Vorbild der Gralsburg im "Parzifal". Die Strahlenburg bei Schriesheim, zu Beginn des 13.Jhdts. aus dem an der Bergstraße anstehenden Porphyr errichtet, bietet einen herrlichen Blick ins Rheintal. Die Türme der Abtei Amorbach sind ebenfalls romanischen Ursprungs, wobei die Abtei selbst als barocker Prachtbau angesprochen werden muss.

In Beerfelden mit der Mümlingquelle steht ein sogenannter dreischläfriger Galgen, eine bis ins 18. Jhdt. genutzte Hinrichtungsstätte auf einer heute als Aussichtspunkt genutzten Bergkuppe. Das Schloss Fürstenau ist eine sorgfältig restaurierte Renaissanceanlage bei Michelstadt. Zu erwähnen sind noch die Stadt Buchen mit ihrem historischen Rathaus und dem Blecker am Stadttor, das Schloss Eberbach, das Palmsche Haus in Mosbach und als besonderer optischer Leckerbissen der Marktplatz von Michelstadt mit dem ältesten erhaltenen Rathaus aus dem Jahr 1484.

Lang anhaltender Beifall für den ausgezeichneten Vortrag belohnte den Referenten.