Stettfelder Abendvorträge 2021/22

Der Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V. möchte auf dieser Seite auf eine in der Region bekannte und beliebte Institution - die Stettfelder Abendvorträge in 2021/2022 - aufmerksam machen. Nachfolgend ein Überblick über die Vorträge in 2022.

Jagdschloss, Wallfahrtskirche, Schlachtfeld, Kloster, Zuckerfabrik, Naturschutzgebiet

Referent/in:   Jürgen Alberti
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 4 €, Schüler & Studenten 2€
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

- Kultur-, industrie- und naturgeschichtliche Eindrücke der Eremitage Waghäusel und ihrer Umgebung -

Es gibt im weiten Umkreis keinen so geschichtsträchtigeren Ort, der außer bei "Kennern" kaum Besucher hat. Das wird sich in Zukunft ganz sicher ändern, wenn sich herumgesprochen hat, was es - erst seit ein paar Jahren - hier zu sehen gibt.

Geschmolzener Sand - zur Produktion von antiken Glaswaren im Vorderen Orient

Referent/in:   Dr. Claudia Braun, Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 4 €, Schüler & Studenten 2€
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Der Werkstoff Glas war als Glasur im Vorderen Orient und Ägypten bereits seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. bekannt, er wurde aber erst im 15. Jahrhundert v. Chr. in größerem Umfang zur Herstellung von Gefäßen verwendet. Die ältesten Beispiele stammen aus Mesopotamien und Ägypten. Neben Rhodos entwickelten sich ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. vor allem an der syrischen Küste bedeutende Produktionszentren, deren Erzeugnisse eine weite Verbreitung fanden. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen Glasgefäße aus den Werkstätten in der Levante, die zum Bestand der Antikensammlung der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim gehören.

Bildnachweis: © Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Foto: Maria Schumann.

Womit die Römer rechneten, wovor sie sich fürchteten und worüber sie lachten: schriftliche Kommunikation im Alltag der Römer

Referent/in:   Prof. Markus Scholz, Universität Frankfurt
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 4 €, Schüler & Studenten 2€
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Wäre heute ein Leben ohne Schrift vorstellbar? Ohne Websites, Mails (oder wenigstens einen Tweet), ohne Bewertungen, Gehaltsabrechnungen, Parkknöllchen und ohne Kassenbons? Bei den Römern definitiv nicht, jedenfalls nicht im Rahmen der kommunikativen Möglichkeiten ihrer Zeit. Ein Beispiel: allein im Mainzer Legionslager galt es jährlich 15.000-18.000 Soldquittungen der Legionäre zu archivieren. Der alltägliche Schriftverkehr in der römischen Kaiserzeit mutet beinahe modern an – oder besser andersherum: unsere Gesellschaft ist in dieser Hinsicht sehr antik. Anders als in Ägypten sind hierzulande jedoch nur noch wenige Zeugnisse der schriftlichen Alltagskommunikation erhalten. Oft blieben nur zufällige Bruchstücke auf haltbaren Materialien übrig, deren Sinn nicht immer leicht zu erschließen ist. Dennoch ist dies eine große Menge. Die in fast jeder Ausgrabung zutage kommenden Schriftzeugnisse auf ihren höchst vielfältigen Trägermaterialien eröffnen uns einen faszinierenden Einblick in das antike Leben in den römischen Provinzen.

Thema des Vortrags sind die vielfältigen handschriftlichen Notizen und Markierungen der alltäglichen Kommunikation im Römischen Reich: Besitzergraffiti auf Hausrat, Abrechnungen und Bestellungen, Preis- und Maßangaben, Quittungen, Rachegebete an Gottheiten der Unterwelt, Zeugnisse von Schulunterricht und Rechtsprechung, der „Bürokratie“ der römischen Armee, private Emotionsäußerungen und Witze. Die Zusammenschau vermittelt einen lebendigen Einblick in das antike Leben in den römischen Provinzen. Dabei werden auch ausgewählte Quellen aus dem römischen Baden-Württemberg „zur Sprache“ kommen.

„Kein Schnuller: Beschlag einer Dokumentasche für Pergamentrollen mit Inschrift eines Feldzeichenträgers aus dem römischen Reiterlager Aquileia/Heidenheim an der Brenz, 2. Jh. n. Chr.“. Rechte: Y. Mühleis, LfD Ba-Wü, Esslingen.

Mein Nachbar der Germane - Überlegungen zu den Ausgrabungen in Heddesheim

Referent/in:   Dr. Sven Jäger, Landesdenkmalamt Karlsruhe
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 4 €, Schüler & Studenten 2€
Veranstalter:   Freundeskreis Römermuseum Stettfeld e.V.

Die hier vorgestellte Siedlung in einer Schleife des Altneckars wurde 2013 im Vorfeld der Erschließungsarbeiten für ein Wohngebiet entdeckt. Die bis zuletzt in den Sommer 2019 hinein durchgeführten Ausgrabungen erschließen inzwischen größere Flächen der einstigen Siedlung. Bereits die erste Sichtung des Materials, das 2013 bis 2014 während Ausgrabungen der Reiss-Engelhorn-Museen geborgen wurde, ließ darauf schließen, dass das Siedlungsareal bereits in der frühen Eisenzeit locker besiedelt war und dann nach einer langen Pause ab der frühen Kaiserzeit von Neckarsweben wieder aufgesucht wurde. Doch dann sehr intensiv und dauerhaft, denn das Fundmaterial deckt ohne Unterbrechung einen Zeitraum vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. ab. Auch wenn die offenbare Kontinuität dieser germanischen Siedlung über den Limesfall hinaus eine für die Forschung bedeutende These ist, so ist ein anderer Faktor mindestens ebenso wichtig: Die germanische Materialkomponente im Fundmaterial bleibt bis weit in das 3. Jahrhundert existent und wurde nach der römischen Okkupation des rechtsrheinischen Gebiets im letzten Drittel des 1. Jahrhunderts offensichtlich nicht durch die provinzialrömische Kultur verdrängt. Doch wie kann das sein, war doch die Siedlung Heddesheim kaum mehr als 2 Kilometer von der nahen Zentralsiedlung Ladenburg mit seinen Kastellen und städtischen Großbauten entfernt? Nur einen Steinwurf weg von den Grubenhütten und Werkplätzen der germanischen Siedlungsstrukturen lag zudem ein römischer Steinbau, eventuell der Rest einer römischen Villa. Hätte dies nicht zu einer umfassenden Wandlung der Lebensweise führen müssen? Ein Widerspruch, blickt man auf das bisherige Forschungsbild.

+++ HINWEIS: Für diesen Vortrag gilt die 2G-Coronaregelung, Zutritt also nur für Geimpfte und Genesene. Nachweise und Mundschutz sind mitzubringen. +++

Collage der Präsentation. Referent ist Rechteinhaber.

Auf Vasenjagd - Friedrich Maler, die Gründung der Karlsruher Antikensammlung und der Kunstmarkt in Italien im 19. Jahrhundert

Referent/in:   Susanne Erbelding, Bad. Landesmuseum Karlsruhe
Zeit: 19 Uhr
Ort: Römerkeller in Stettfeld
Eintritt: 4 €, Schüler & Studenten 2€
Veranstalter:   Freundeskreis Römermusuem Stettfeld e.V.

1837 beschloss der Badische Landtag auf Geheiß Großherzog Leopolds (1790-1852) den Bau eines neuen Museums, dessen Zweck es u.a. war, die Kunstsammlungen im Besitz der badischen Regentenfamilie den Untertanen zugänglich zu machen. Neun Jahre später, 1846, wurde die von Heinrich Hübsch (1795-1863) entworfene Karlsruher Kunsthalle als eines der ersten öffentlichen, für ein breites Publikum zugänglichen Museen Deutschlands inauguriert. Im rechten Korridor des Erdgeschosses präsentierte man eine neue Antikensammlung, die heute zu den Sammlungsbeständen des Badischen Landesmuseums gehört. Die beeindruckende Kollektion einiger hundert Vasen und Terrakotten zusammengestellt und erworben zu haben, ist das Verdienst Friedrich Malers (1799-1875).

Der badische Architekt, Diplomat und Kunstkenner ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten. 1834-1843 residierte er als Gesandter für Großherzog Leopold im Vatikanstaat, und als solcher war er von seinem Souverän beauftragt worden, für die zu gründende Antikensammlung Kunstgegenstände in Italien zu erwerben. Zu diesem Zweck unternahm Friedrich Maler zwischen Herbst 1837 und Frühjahr 1838 eine Akquisitionsreise nach Süditalien, ins bourbonische Königreich Beider Sizilien, wo zu Beginn des 19. Jahrhunderts –Jahrzehnte nach den spektakulären Sensationsfunden der Vesuvstädte Pompeji und Herculaneum – auch in Apulien aufsehenerregende archäologische Entdeckungen gemacht wurden. Im italienischen Bourbonenstaat entwickelte sich in der Folgezeit eine lebhafte Ausgräber-, Händler- und Sammlerszene. Die nicht ausschließlich in staatlicher Hand befindlichen, sondern häufig von Privatleuten durchgeführten Ausgrabungen spülten zahlreiche Antiken auf einen florierenden, z.T. international vernetzten Kunstmarkt, wo – in der Hauptstadt Neapel, aber auch andernorts – sie nicht selten zu Höchstpreisen zirkulierten. Hier begab sich auch Friedrich Maler auf die Suche nach geeigneten Objekten für Karlsruhe. Im Visier hatte er vorrangig unteritalische Vasen, welche die im Altertum für ihren Reichtum berühmte Städtelandschaft der Magna Graecia hervorgebracht hatte. Zu Beginn seiner Mission schrieb der Badener an den fürstlichen Landesherrn, er hoffe, „eine Sammlung von Vasen zu erwerben, die eines Museum Leopoldinum würdig“ sei (Gesandtschaftsbericht Neapel, 21. September 1937) und betonte: „Bei allem, was auch zu tun ist, werde ich die äußerste Sorgfalt anwenden und nichts desto weniger auf die möglichste Sparsamkeit bedacht sein.“ (Gesandtschaftsbericht Neapel, 21. September 1837).

Jedoch sollte sich das für die damalige Zeit keineswegs ungewöhnliche Vorhaben des Kaufs antiker Vasen zu einem veritablen kulturpolitischen Skandal auswachsen, der Kunstagent Großherzog Leopolds in einen erbitterten Konflikt mit dem italienischen Innenminister – einem leidenschaftlichen Kunst- und Antikenliebhaber und Besitzer der größten Vasensammlung des Königreichs – und ebenso mit dessen Amtskollegen im Außenministerium geraten, bis die Affäre von König Ferdinand II. beider Sizilien (1810-1859) höchstpersönlich entschieden werden musste, so dass das Projekt „Vasen für Baden“ in Italien zur Staatsangelegenheit wurde. Dennoch sollte es Friedrich Maler schließlich gelingen, seinen Auftrag – wenn auch nicht wie ursprünglich geplant – zu erfüllen. So ist es sein Name, welcher wie kein anderer mit der Gründung der Karlsruher Antikensammlung, vor allem mit der renommierten Kollektion antiker Vasen, in Verbindung steht. Persönlichkeit, Leben und Leistung dieses ungewöhnlichen Mannes aufzuarbeiten, ist zur Zeit Gegenstand eines am Badischen Landesmuseum angelegten Forschungsprojekts, welches sich den Anfängen von dessen Antikensammlung widmet. Der Vortrag wirft Schlaglichter auf die aktuellen biographischen, archivalischen und archäologischen Forschungen der Thematik und das mit dieser verbundene, facettenreiche und komplexe sammlungs- und kulturhistorische Erkenntnisinteresse.

Die sog. Unterweltsvase. Die monumentale Prachtvase, ein 1,22 Meter hoher, unteritalisch-spätklassische Volutenkrater aus Ruvo di Puglia, wurde 1838 von Friedrich Maler für die Antikensammlung der Karlsruher Kunsthalle in Neapel erworben (Bildrechte: Badischen Landesmuseum KA).