Stettfelder Abendvorträge 2025/26
Dieser Seite entnehmen Sie bitte die Berichte der Stettfelder Abendvorträge 2025/26.
Grabraub und Grabfrevel bei den Römern
Am 9.Oktober 2025 referierte Dr. Peter Knötzele, Karlsruhe beim Freundeskreis Römermuseum Stettfeld zum Thema „Grabraub und Grabfrevel bei den Römern“.
Obwohl man sich in römischer Zeit vor dem Zorn der Götter im Allgemeinen und dem der Totengötter im besonderen fürchtete, war die Störung der Totenruhe und auch der Grabraub nichts Außergewöhnliches. Zu eindeutig sind die Maßnahmen, die zu dem Schutz der Gräber ergriffen wurden: z.B. das Verbot, Gold in die Gräber mitzugeben; schriftliche Überlieferungen wiederum nennen z.B. die Bestattungsvereine, die die Gräber der Mitglieder beschützten, um nur Möglichkeiten des Schutzes zu nennen. Auch wissen wir durch Inschriften, dass Grabsteine bisweilen als „Wahlplakate“ im politischen Wahlkampf verwendet wurden. Bisweilen wurden auch Gegenstände von den Scheiterhaufen gestohlen. In Kolumbarien wurden die Nägel aus den Namensschildchen, die an den Urnennischen befestigt waren, entwendet.
Und neben dieser Störung der Totenruhe und dem Grabraub, der heimlich erfolgte, gab es einen weiteren Grabraub, der unter öffentlicher Duldung erfolgte. Z. B. wurden in der Zeit der Germaneneinfälle Grabsteine oft in die Fundamente der rasch zu errichtenden Stadtmauern verbaut ( gutes Beispiel Alzey ).
Ca. 25 Zuhörer dankten dem Referenten, der selbst Mitglied des Freundeskreises ist und noch viele weitere Beispiele anführte, mit freundlichem Beifall.
Auf Vasenjagd in Italien - Friedrich Maler (1799-1875) und die Gründung der Karlsruher Antikensammlung
Im Herbst 1838 erreichte die Residenzstadt des Großherzogtums Baden ein Transport von sechzehn sorgfältig verpackten Kisten aus Neapel. Diese enthielten ca. 400 antike Vasen aus Unteritalien und Sizilien. Diese „Antiquitäten“ waren „für die Großherzogliche Gallerie dahier bestimmt“ kommentierte in den Regierungsakten der badische Außenminister Friedrich von Blittersdorf (1792-1861) dieses Gründungsereignis der staatlichen Antikensammlung Karlsruhes. Das erwähnte Museum war die auf Initiative des kunstliebenden Großherzogs Leopold (1790–1852) vom badischen Landtag am 18. Juli 1837 gesetzlich beschlossene Karlsruher Kunsthalle, deren Bau der Weinbrenner-Schüler Bau Heinrich Hübsch (1795-1863) umgehend in Angriff genommen hatte. Gleichzeitig hatte das Parlament einen Etat zur Anschaffung von neuen Kunstwerken beschlossen, der u. a. in eine am bislang nicht existierende Sammlung antiker Vasen zu investieren sei. Seit William Hamiltons (1730–1803) passionierter Sammel- und Publikationstätigkeit, seit Johann Joachim (1717-1768) Winckelmanns Neubewertung der antiken Keramiken als Werke griechischen Kunstschaffens, war Europa der Vasomanie, der Begeisterung für die Schönheit antiker Vasen, erlegen: Das Genre durfte in keiner namhaften Kollektion fehlen. In Baden ging die ausschlaggebende Anregung für eine Akquisition antiker Vasen auf dessen Diplomat in Rom, den am Heiligen Stuhl als großherzoglicher Geschäftsträger akkreditierten Friedrich Maler (1799–1875) zurück. Der studierte Architekt und Kunstliebhaber verkehrte in der Ewigen Stadt mit Künstlern und Intellektuellen, darunter den Altertumswissenschaftlern, die 1829 das Instituto di Corrispondenza Archeologica, das heutige Deutsche Archäologischen Institut, ins Leben gerufen hatten. Daher verfügte er über für die damalige Zeit seltene archäologische Fachkenntnisse – die Archäologie als Wissenschaftsdisziplin war gerade erst im Entstehen begriffen. Als er den offiziellen Auftrag erhielt, für seine Heimatstadt in Italien antike Gefäße zu erwerben, wusste er daher genau, wohin er sich auf Vasenjagd zu begeben hatte: ins Königreich beider Sizilien, wo spektakuläre Vasenfunde seit Jahrzehnten Furore machten. Zwischen Herbst 1837 und Sommer 1838 recherchierte er zu diesem Zweck in Neapel und bereiste die Provinzen des bourbonischen Königreichs. Das Unterfangen, das, wie er der Regierung in einem Gesandtschaftsbericht mitteilte, ihm „unsägliche Mühe und Sorgen“ sowie „manche schlaflose Nacht“ bereitete, war ein – wie selbst der gestrenge Blittersdorf, Malers Vorgesetzter, zugeben musste, „ebenso schwieriges als langwieriges Geschäft“. Nicht wenige Probleme, Widrigkeiten, ja Abenteuer musste der badische Diplomat bewältigen, bevor er seine Mission mit Bravour zu „HöchstIhrer“ – des Großherzogs – „Zufriedenheit und Anerkennung“ erledigte, so dass er zur Gründungsfigur der staatlichen Antikensammlung Karlsruhes wurde. Diese verdankt ihr internationales Renommee nicht zuletzt dem von Friedrich Maler ihm im 19. Jahrhundert zusammengetragenen Vasenbestand, dem bis heute bedeutenden Herzstück einer der ältesten staatlichen Antikenkollektionen in Deutschland.
Frau Erbelding entführte mit ihrer lebendigen und zugleich ausführlichen Schilderung 30 Zuhörer in die vergangene Welt der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als man in Italien noch antike Gefäße in großer Zahl (von nicht immer eindeutiger Herkunft) erhalten konnte, aber auch vor Fälschungen nicht sicher war.
Neues aus dem römischen Heidelberg - die Grabungen 2024 im Kastellbad und Gräberfeld von HD-Neuenheim
Am 24.02.2026 referierte die Archäologin Sarah Roth zum Thema „Neues aus dem römischen Heidelberg - die Grabungen 2024 im Kastellbad und Gräberfeld von HD-Neuenheim“. Als Fachreferentin für Provinzialrömische Archäologie beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Dienstsitz Karlsruhe stellte Frau Roth zunächst kurz das römische Heidelberg vor und ging dann auf das große Gräberfeld entlang der Römerstraße Richtung Ladenburg ein.
Mit rund 1.400 Brand- und Körperbestattungen ist das römische Gräberfeld von Heidelberg-Neuenheim das größte, das bislang in Baden-Württemberg entdeckt wurde. Es wurde im Westen und Süden jeweils durch einen Graben und im Nordosten durch die Römerstraße nach Ladenburg begrenzt. In den Jahren 1951 bis 1969 wurde es bereits durch B. Heukemes flächig untersucht. Anlässlich eines Neubaus des deutschen Krebsforschungszentrums wurde die Stelle mit der dichtesten Gräberbelegung - sie lag unter einem modernen Parkplatz - im Herbst 2024 erneut in den Blick genommen: Die archäologische Nachuntersuchung ergab weitere Brand- und Körperbestattungen aus dem 1.-3. Jahrhundert n. Chr. Sie bieten Anlass, die vielfältigen Aussagen der Gräber zu Demographie und Bestattungssitten dieser Zeit in den Blick zu nehmen. Eine Statistik ergab bis zu knapp 80 Beigaben pro Grab, der Schwerpunkt lag aber bei 5 – 30/35 Beigaben.
Gleichzeitig fand im Herbst 2024 knapp 300 m entfernt wegen der Errichtung einer Tiefgarage eine zweite Rettungsgrabung an dem römischen Kastellbad von Heidelberg statt. Obwohl die Ruine mehrfach geplündert und überprägt wurde, beeindrucken die Mächtigkeit und Bauqualität ihrer Fundamente! Umbauphasen und wiederverwendete Militärziegel ( Stempelungen! ) lassen die bewegte Baugeschichte des Gebäudes erkennen. Da das Gelände modern überbaut ist, sind weitere römische Reste nur bei künftigen Baumaßnahmen unter den Hausgärten zu erwarten.
Dankbarer Beifall der ca. 35 Besucher für den ausgezeichneten Vortrag.
Einen interessanten Filmbericht über die älteren Ausgrabungen (1959) starten Sie über den Link: Gräberfund in Heidelberg 22.1.1959
Die sog. Frankfurter Silberinschrift im Kontext und die Anfänge des Christentums nördlich der Alpen
Das Gräberfeld "Heilmannstraße“ ist die späteste Nekropole der römischen civitas-Hauptstadt Nida (Frankfurt-Heddernheim). In den Jahren 2017-2018 untersuchte das Denkmalamt Frankfurt dort insgesamt 127 Bestattungen, darunter 113 Körpergräber aus dem 3. Jahrhundert, die Peter Fasold am Archäologischen Museum Frankfurt ausgewertet hat. Ein etwa 40 Jahre alter Mann, der zwischen ca. 230 und 260/70 n. Chr. starb, war mit einer silbernen Amulettkapsel um den Hals bestattet worden. Das darin eingerollte Silberblech war so fragil, dass eine physische Entrollung nicht in Frage kam. Dies gelang erst im Jahr 2024 am Leibniz-Zentrum für Archäologie in Mainz mit digitalen Methoden. Die dadurch sicht- und entzifferbar gewordene lateinische Handschrift offenbart eine handfeste Überraschung: der 18 Zeilen lange Text enthält eine rein christliche Botschaft ohne synkretistische Elemente, die neue Fragen zum frühen Christentum aufwirft. Das macht sie einzigartig. Es handelt sich um das bisher früheste authentische Zeugnis für Christentum nördlich der Alpen.
Prof. Scholz, der maßgeblich an der Entzifferung der Inschrift beteiligt war, deutete vor ca. 35 begeisterten Besuchern der Veranstaltung den Inhalt der Inschrift. Die Zuhörerschaft erhielt so Informationen aus 1. Hand!